Terminator (1984-2019): Der eindimensionale Blick auf digitale Transformationen

Die Terminator-Filmreihe besteht aus nunmehr sechs Teilen (1984, 1991, 2003, 2009, 2015, 2019). Neben der großen Frage nach der Position des Menschen in einer zukünftigen Welt der Maschinen behandeln die Filme auch das Thema einer fortschreitenden Digitalisierung.

Im ersten Teil (1984) ist die digitale Welt aber noch eine Welt in der ferneren Zukunft. Der Terminator T-800 (Arnold Schwarzenegger) des Jahres 2029 bewegt sich zeitlich in das Jahr 1984 zurück, um die Mutter eines zukünftigen Anführers des Widerstands zu terminieren. So kann dieser Widerstandskämpfer schließlich gar nicht erst geboren werden. Um diese Person zu terminieren, braucht der Terminator Informationen zu ihrem Aufenthaltsort. Doch auch der Terminator aus der Zukunft hat nur die Ressourcen einer analogen Welt des Jahres 1984 zur Verfügung. So muss er in einem Telefonbuch nach Adressen suchen und erhält drei identische Namen. Der Film ist folgend narrativ so gestaltet, dass der Terminator alle drei Adressen mit diesem Namen aufsucht und jede Person terminiert. Erst nach 31 Minuten weiß der Terminator die korrekte Adresse. Das erste Aufeinandertreffen erfolgt nach 36 Minuten – also erst nach einem Drittel des Films (Spielzeit Blu-ray: 01:47:18)

In Teil 2 (1991) erlebt der Zuschauer eine digitalisiertere Welt. Das neue Terminator-Modell T-1000 hackt sich in den Computer eines Polizeiautos, um auf einen Datenbank mit Straftätern Zugriff zu haben. Darunter befindet sich auch die Adresse der zu terminierenden Person. Dieses Datenbanksystem ist nicht frei zugänglich und demnach nicht mit dem Internet zu vergleichen. Bereits nach einer Filmspielzeit von nur 11 Minuten (Spielzeit Blu-ray: 02:17:07) hat der Terminator die Adresse gefunden. Der Film zeigt also nicht mehr in diesem Ausmaße wie Teil 1 die Suche nach Informationen, sondern bewegt sich zielgerichteter auf die Action und die Bombastszenen zu. Die verkürzte Suche nach der Adresse zeigt bereits zugleich die Beschleunigung einer zunehmend digitalisierten Welt.

Diese Welt der Digitalisierung und Vernetzung zeigt nun der dritte Teil (2003) in noch größeren Dimensionen auf. Das Internet ist für alle zugänglich und massenkompatibel geworden. Die Suche nach Adressen ist für den neunen, weiblichen Terminator T-X innerhalb weniger Sekunden geschehen. Bereits nach einer Filmspielzeit von nur sieben Minuten (Spielzeit Blu-ray: 01:49:06) ist die erforderliche Adresse gefunden, indem auf die Website einer Highschool direkt zugegriffen wird. Die Filmreihe zeigt hier nochmals die Beschleunigung einer digitalisierten Welt. Die Welt in Teil 3 besteht aber noch aus einer analogen Lebensumgebung bei der das Digitale zwar eindringt, aber noch nicht gänzlich den Alltag eingenommen hat. Diese Welt hat keine Smartphones oder Social Media Profile – der Mensch ist hier noch nicht „Always On“ verbunden mit dem Internet.

Die neuen Teile der Filmreihe (2015, 2019) zeigen eine digitalisierte Welt mit genau diesem Eindringen der Technik in den Alltag. Die neuen Terminator-Modelle brauchen hier kein Telefonbuch mehr, um an Informationen zu gelangen. Digitale Spuren, Datenspeicherung, Überwachungskameras, Dronen etc. erlauben einen permanenten Zugriff auf den Standort der gesuchten Personen.

Die Terminator-Filmreihe warnt seit dem ersten Teil vor den Gefahren einer Digitalisierung, vor einem großen Konzern, vor den Maschinen. Diese Narrative hat in den ersten drei Teilen noch funktioniert. Doch wirkt diese Erzählweise heute sehr konservativ. Dieser eindimensionale Blick auf digitale Transformationen erscheint heute nicht mehr zeitgemäß. Der erste Teil stellt bereits alle relevanten Fragen zu diesem Thema. Alle weiteren Teile der Reihe haben kaum mehr neue Fragen. Die Filmreihe kann eben deshalb keinen neuen Blick auf die Digitalisierung und dessen Vorteile aufzeigen, weil sonst die Erzählweise um die Terminator nicht mehr funktioniert. Nur bei einem stets äußerst konservativen Blick mit einer durch Digitalisierung entstandenen Welt am Abgrund kann die Filmreihe scheinbar Action zeigen. Doch genau das ist eine narrative Sackgasse. Neue Fragen um das Thema Digitalisierung und den Menschen in dieser Welt können so nicht gestellt werden, da die Filmreihe die sich wiederholenden Zweikämpfe mit Terminator-Modellen zeigen will. Die Filme demonstrieren das ewige Festhalten an eine vergangene Zeit der analogen Welt und streifen die Gegenwart der digitalisierten Welt bestenfalls am Rande. Die neuen Filme zeigen dabei viele neue digitale Effekte, doch sind trotzdem hierbei nicht mehr Vorreiter für die Kinowelt. Die Effekte mögen objektiv gesehen sogar besser sein als die ersten beiden Teile sind aber auch nur Teil einer digitalisierten Welt der Beliebigkeit und Massenhaftigkeit. Jeder Film zeigt heute solche Effekte.

Der erste Teil ist düster, hart, kompromisslos, gar humorlos. Hier gibt es keine Running Gags wie in allen weiteren Teilen. Teil 2 ist bereits auch nur ein Remake. Hier zeigt der Film aber noch nie gesehene Effekte und zeigt, dass eine Maschine die Menschen vor der Zerstörung bewahren soll. Doch bereits der erste Teil zeigt alle philosophischen Überlegungen zu Mensch, Digitalisierung, Maschine und ist somit nicht eindimensional, sondern zeigt mehrere Dimensionen und Fragestellungen auf ohne dabei belehrend, konservativ oder ewig vergangenheitsversunken zu sein.

Filmplakat

https://www.filmposter-archiv.de/filmplakat.php?id=6754

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