Film „Menschen am Sonntag“ (1929) – Naturvisualisierungen als filmischer Code zur Darstellung von Beziehungskonstrukten

Die Natur in Menschen am Sonntag (1929) als visualisierte Form kann viele Einblicke in die Beziehungskonstrukte der Figuren aufzeigen. So werden in der Episode am Wannsee speziell die Baumformationen filmisch inszeniert und als narratives Element genutzt. Beim Weg zum Strand gehen die Figuren Wolfgang und Brigitte zusammen durch zwei Bäume während die eigentlich mit Wolfgang verabredete Christl wie zufällig vom Weg abgetrennt wird (Abbildung 1 – 00:27:01). Die Beziehung zwischen Wolfgang und Brigitte wird hierbei bereits visuell etabliert. Das Spiel beginnt, indem beide ihre Positionen an einem Baum umschlungen zeigen (Abbildung 2 – 00:50:18). Neugier, fordernde Gesten und gleichzeitiges Zurückweichen sind Bestandteile des Spiels um Begierde und Lust – vielleicht sogar Liebe. Doch die Beziehung scheint auf Seiten Wolfgangs nicht auf ein dauerhaftes Zusammensein ausgelegt zu sein wie die Schräglage des Baums als filmischer Code bereits erahnen lässt (Abbildung 3 – 00:55:03). Die Panoramaaufnahme zeigt direkt die Größe dieser Beziehung auf. Die Figuren wirken klein genauso wie die Beziehung, die auch keine weiteren sexuellen Episoden oder gar eine tiefere Liebesbeziehung hervorbringt. Die enorme Größe des umgestürzten Baumes, scheint die Beziehung geradezu direkt zu erdrücken und gleichzeitig visuell zu definieren.

Abbildung 1

Abbildung 2

Abbildung 3

In Der Geschmack von Apfelkernen (2013) bahnt sich eine Liebesbeziehung zwischen den beiden Hauptfiguren Iris und Max an. Die gemeinsame Vergangenheit als Kinder und Jugendliche in der ländlichen Gegend haftet allerdings noch an. Die Begegnung auf der kleinen Insel verdeutlicht die gemeinsame Vergangenheit und Beziehung zueinander. In dieser Szene am See fühlt sich Iris bereit für sexuelle Taten, doch Max zögert noch (siehe Abbildung 1 – ab 00:57:00). Die Körperspannung bei Max sowie die Blickachsen nach unten zeigen es. Die abgewandte Haltung von Max (Abbildung 2) verdeutlicht den Zustand der Beziehung. Die mächtige Dicke des Stammes zeigt umso mehr die zu überwindende Hürde bis es am Ende des Films schließlich die Liebesbeziehung gemeinsam begangen wird. Der Baum ist auch hier in Schräglage so wie die Beziehung auch noch in der Schräglage ist. Der Blick von Iris am Baum ist fordernd und spielerisch zugleich. Doch Max lässt sich darauf nicht ein und geht schwimmen. Iris wirkt nun isoliert. Die Kamera zeigt diesen Zustand von oben aus der Vogelansicht in der Totalen.

Abbildung 1

Abbildung 2

Abbildung 3

Die Filmbeispiele zeigen wie die Natur als filmischer Code zur Darstellung von Beziehungskonstrukten visuell umgesetzt werden kann. So können zufällige Baumformationen die narrative Gestaltung eines Films vorantreiben.

Filmplakat

Pressematerial

https://www.atlas-film.de/menschen-am-sonntag.html

Screenshots

© Concorde Filmverleih

Blu-ray Der Geschmack von Apfelkernen (2013)

Blu-ray Mediabook (2018) Menschen am Sonntag (1929)

Ein Kommentar zu “Film „Menschen am Sonntag“ (1929) – Naturvisualisierungen als filmischer Code zur Darstellung von Beziehungskonstrukten

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