Terminator (1984-2019): Der eindimensionale Blick auf digitale Transformationen

Die Terminator-Filmreihe besteht aus nunmehr sechs Teilen (1984, 1991, 2003, 2009, 2015, 2019). Neben der großen Frage nach der Position des Menschen in einer zukünftigen Welt der Maschinen behandeln die Filme auch das Thema einer fortschreitenden Digitalisierung.

Im ersten Teil (1984) ist die digitale Welt aber noch eine Welt in der ferneren Zukunft. Der Terminator T-800 (Arnold Schwarzenegger) des Jahres 2029 bewegt sich zeitlich in das Jahr 1984 zurück, um die Mutter eines zukünftigen Anführers des Widerstands zu terminieren. So kann dieser Widerstandskämpfer schließlich gar nicht erst geboren werden. Um diese Person zu terminieren, braucht der Terminator Informationen zu ihrem Aufenthaltsort. Doch auch der Terminator aus der Zukunft hat nur die Ressourcen einer analogen Welt des Jahres 1984 zur Verfügung. So muss er in einem Telefonbuch nach Adressen suchen und erhält drei identische Namen. Der Film ist folgend narrativ so gestaltet, dass der Terminator alle drei Adressen mit diesem Namen aufsucht und jede Person terminiert. Erst nach 31 Minuten weiß der Terminator die korrekte Adresse. Das erste Aufeinandertreffen erfolgt nach 36 Minuten – also erst nach einem Drittel des Films (Spielzeit Blu-ray: 01:47:18)

In Teil 2 (1991) erlebt der Zuschauer eine digitalisiertere Welt. Das neue Terminator-Modell T-1000 hackt sich in den Computer eines Polizeiautos, um auf einen Datenbank mit Straftätern Zugriff zu haben. Darunter befindet sich auch die Adresse der zu terminierenden Person. Dieses Datenbanksystem ist nicht frei zugänglich und demnach nicht mit dem Internet zu vergleichen. Bereits nach einer Filmspielzeit von nur 11 Minuten (Spielzeit Blu-ray: 02:17:07) hat der Terminator die Adresse gefunden. Der Film zeigt also nicht mehr in diesem Ausmaße wie Teil 1 die Suche nach Informationen, sondern bewegt sich zielgerichteter auf die Action und die Bombastszenen zu. Die verkürzte Suche nach der Adresse zeigt bereits zugleich die Beschleunigung einer zunehmend digitalisierten Welt.

Diese Welt der Digitalisierung und Vernetzung zeigt nun der dritte Teil (2003) in noch größeren Dimensionen auf. Das Internet ist für alle zugänglich und massenkompatibel geworden. Die Suche nach Adressen ist für den neunen, weiblichen Terminator T-X innerhalb weniger Sekunden geschehen. Bereits nach einer Filmspielzeit von nur sieben Minuten (Spielzeit Blu-ray: 01:49:06) ist die erforderliche Adresse gefunden, indem auf die Website einer Highschool direkt zugegriffen wird. Die Filmreihe zeigt hier nochmals die Beschleunigung einer digitalisierten Welt. Die Welt in Teil 3 besteht aber noch aus einer analogen Lebensumgebung bei der das Digitale zwar eindringt, aber noch nicht gänzlich den Alltag eingenommen hat. Diese Welt hat keine Smartphones oder Social Media Profile – der Mensch ist hier noch nicht „Always On“ verbunden mit dem Internet.

Die neuen Teile der Filmreihe (2015, 2019) zeigen eine digitalisierte Welt mit genau diesem Eindringen der Technik in den Alltag. Die neuen Terminator-Modelle brauchen hier kein Telefonbuch mehr, um an Informationen zu gelangen. Digitale Spuren, Datenspeicherung, Überwachungskameras, Dronen etc. erlauben einen permanenten Zugriff auf den Standort der gesuchten Personen.

Die Terminator-Filmreihe warnt seit dem ersten Teil vor den Gefahren einer Digitalisierung, vor einem großen Konzern, vor den Maschinen. Diese Narrative hat in den ersten drei Teilen noch funktioniert. Doch wirkt diese Erzählweise heute sehr konservativ. Dieser eindimensionale Blick auf digitale Transformationen erscheint heute nicht mehr zeitgemäß. Der erste Teil stellt bereits alle relevanten Fragen zu diesem Thema. Alle weiteren Teile der Reihe haben kaum mehr neue Fragen. Die Filmreihe kann eben deshalb keinen neuen Blick auf die Digitalisierung und dessen Vorteile aufzeigen, weil sonst die Erzählweise um die Terminator nicht mehr funktioniert. Nur bei einem stets äußerst konservativen Blick mit einer durch Digitalisierung entstandenen Welt am Abgrund kann die Filmreihe scheinbar Action zeigen. Doch genau das ist eine narrative Sackgasse. Neue Fragen um das Thema Digitalisierung und den Menschen in dieser Welt können so nicht gestellt werden, da die Filmreihe die sich wiederholenden Zweikämpfe mit Terminator-Modellen zeigen will. Die Filme demonstrieren das ewige Festhalten an eine vergangene Zeit der analogen Welt und streifen die Gegenwart der digitalisierten Welt bestenfalls am Rande. Die neuen Filme zeigen dabei viele neue digitale Effekte, doch sind trotzdem hierbei nicht mehr Vorreiter für die Kinowelt. Die Effekte mögen objektiv gesehen sogar besser sein als die ersten beiden Teile sind aber auch nur Teil einer digitalisierten Welt der Beliebigkeit und Massenhaftigkeit. Jeder Film zeigt heute solche Effekte.

Der erste Teil ist düster, hart, kompromisslos, gar humorlos. Hier gibt es keine Running Gags wie in allen weiteren Teilen. Teil 2 ist bereits auch nur ein Remake. Hier zeigt der Film aber noch nie gesehene Effekte und zeigt, dass eine Maschine die Menschen vor der Zerstörung bewahren soll. Doch bereits der erste Teil zeigt alle philosophischen Überlegungen zu Mensch, Digitalisierung, Maschine und ist somit nicht eindimensional, sondern zeigt mehrere Dimensionen und Fragestellungen auf ohne dabei belehrend, konservativ oder ewig vergangenheitsversunken zu sein.

Filmplakat

https://www.filmposter-archiv.de/filmplakat.php?id=6754

Filmräume: „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ (2019) und der Grunewald

Die Regisseurin Caroline Link erhielt bereits mit ihrem ersten Kinofilm Jenseits der Stille (1996) eine Nominierung für den Oscar. Nur einige Jahre danach wurde sie mit dem Oscar für Nirgendwo in Afrika (2001) angeregt gewürdigt.

Die Buchverfilmung Als Hitler das rosa Kaninchen stahl (2019) zeigt ein Berlin im Jahr 1933 vor der NS-Machtübernahme. Die Familie muss fliehen und wechselt mit der Zeit die Wohnorte in Europa.

Einer der ersten Sequenzen zeigt die Geschwister abends im Grunewald auf einem bewurzelten, sandigen Berg kurz bevor sie nach Hause gehen. Als Drehort wurde das Naturschutzgebiet Sandgrube im Jagen 86 des Grunewaldes ausgewählt. Dieser Ort ist für die Narrative des Films sehr passend, da bereits die stark hervortretenden Wurzeln der Bäume auf eine sich anbahnende entwurzelte Kindheit mit anwährenden Veränderungen des Wohnorts und des Freundeskreises hinweisen. Der filmische Code ist gesetzt. Dazu rennen die Kinder auf sandigem Boden den Abhang hinunter. So wird Bewegung und sogleich auch der Zeitdruck in diesem Bild aufgezeigt, da eine Flucht vor dem NS-Regime in nur wenigen Tagen erfolgen muss. Der Sand ist das filmische Zeichen für das Aufbrechen in eine neue Welt ohne festen Untergrund. Das heimatliche Raumgefühl geht zunächst verloren und die schmerzvolle Verabschiedung droht (siehe Abbildung 6 und 7) . Und schließlich führt der Weg nach unten, wenn das gewohnte Leben verlassen wird und das politische System in den Abgrund führt. Der sehr kühle Farbton unterstützt den Eindruck der nahenden Veränderung.

Diese Sequenz von nur wenigen Sekunden zeigt mit vielen Zeichen und Codes persönliche, familiäre und politische Veränderungen auf. So wird gerade auch in dieser Sequenz und Kameraeinstellung der Filmtitel Als Hitler das rosa Kaninchen stahl eingeblendet. Dabei setzt der Schriftzug einen extremen Kontrast zum dunklen Blau.

Abbildung 1 – Sandgrube im Grunewald (2021)
Abbildung 2 – Als Hitler das rosa Kaninchen stahl (2019) – 00:02:42
Abbildung 3
Abbildung 4 – 00:02:47
Abbildung 5
Abbildung 6 – 00:18:35
Abbildung 7 – 00:20:17

Filmplakat

https://www.fbw-filmbewertung.com/film/als_hitler_das_rosa_kaninchen_stahl

Prädikat „Besonders wertvoll“

Abbildungen

1, 3, 5

Eigene Aufnahmen (10.09.2021)

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Als Hitler das rosa Kaninchen stahl (2020) Blu-ray

Filmräume: „Menschen am Sonntag“ (1929) und der Wannsee

An einem Samstag verabreden sich vier junge Menschen für einen Ausflug an den Wannsee am nächsten Tag. Am Sonntag fährt schließlich ganz Berlin raus in die Natur. Doch zunächst endet die Fahrt mit der S-Bahn in Nikolassee. Von hier geht es zu Fuß zum Wannsee.

Einige der Szenen des Films wurden am Wannsee gedreht. Doch das eigentliche Baden mit anschließendem Picknick lässt eher die Lieper Bucht an der Havel als Drehort vermuten. Dieser Ort ist etwa drei Kilometer vom Strandbad Wannsee entfernt. Bis heute ist die Badestelle sehr beliebt bei Touristen. In einigen Szenen ist der Grunewaldturm im Hintergrund zu erkennen, wenn die Figuren baden.

Die anschließende Tour der vier jungen Menschen in die bergige Waldlandschaft kann sehr wahrscheinlich im Grunewalder Forst gedreht worden sein. Das Gebiet ist sehr weitläufig. Am Wannsee ist dieser Märchenwald so direkt nicht zu finden.

Der filmische Raum packt somit viele recht weit auseinanderliegende Orte in einer fließenden Raumerzählung zusammen. Wer all diese Orte zu Fuß besuchen wollte, braucht mehr Zeit als einen Tag. Der Film Menschen am Sonntag zeigt mit seinen filmischen Codes hier große erzählerische Dimensionen auf, wenn die Natur zur Visualisierung unterschiedlicher Beziehungen eingebunden wird.

Abbildung 1 – Wannsee (2021)
Abbildung 2 – 00:30:24 – Menschen am Sonntag (1929)
Abbildung 3 – 00:30:57 – Lieper Bucht
Abbildung 4 – 00:31:53
Abbildung 5 – 00:33:07
Abbildung 6 – 00:33:20
Abbildung 7 – 00:33:24
Abbildung 8 – 00:34:41
Abbildung 9 – 00:36:10
Abbildung 10 – 00:46:56 – Grunewalder Forst
Abbildung 11 – 00:48:51
Abbildung 12 – 00:49:11
Abbildung 13 – 00:49:17
Abbildung 14 – 00:49:24
Abbildung 15 – 00:49:29
Abbildung 16 – 00:58:49

Mediabook

Abbildung

https://www.atlas-film.de/menschen-am-sonntag.html

Abbildung 1

Eigene Aufnahme

30.03.2021

Screenshots

Blu-ray Mediabook (2018) Menschen am Sonntag (1929)

Das Mediabook

Wer sich eine Filmbibliothek zu Hause erstellen möchte oder wer einfach nur gern Film sieht, wird zwangsläufig Erfahrungen mit dem Mediabook als Speichermedium gemacht haben. Bereits seit über 10 Jahren werden Mediabooks veröffentlicht. Hierbei werden Blu-ray und das bereits veraltete Medium DVD in eine „Sonderverpackung“ gesteckt, welche den optischen wie auch haptischen Eindruck des klassischen Buches nahekommen soll. Dazu befindet sich eingebunden innen ein zumeist lesenswertes, mehrseitiges Buch mit vielen Bildern und Informationen zum Film. Darunter können auch Interviews oder sogar wissenschaftliche Beiträge sein.

Die Wertigkeit des Mediabooks besteht also aus gleich mehreren Bestandteilen. So entsteht generell das Gefühl, hier etwas „ganz Besonderes“ in den Händen zu halten. Der Zugang ist somit viel emotionaler aufgeladen als bei einer Standardausgabe in der blauen Amary-Verpackung. Das Material beim Mediabook fühlt sich wertig an. Das darin enthaltene Buch kann für einige Käufer einen Mehrwert haben. Vielmehr aber ist die Wertigkeit darin gegeben, dass Filmklassiker hier erstmals auf Blu-ray erscheinen.

Wer so manchen Filmklassiker also in bester Qualität sehen möchte, greift zu. Sofern das bei einer limitierten Mediabook-Auflage überhaupt möglich. Hier sind geringe Stückzahlen von 500 Exemplaren keine Seltenheit. So gelangen einige limitierte Mediabooks gar nicht erst in den stationären Handel der Städte, weil durch Vorbestellungen teilweise nach 1-2 Tagen alles vergriffen ist. Bereits kurze Zeit nach der eigentlichen Veröffentlichung gibt es die limitierten Mediabooks zu utopischen Preisen bei Internetauktionshändlern, Filmbörsen etc. Wer gerade im Urlaub ist und nicht täglich auf die Newsticker blickt, hat keine Chance an die begehrten Titel zu gelangen. Neben dem so hergestellten permanenten Zeitdruck erhöht sich die Wahrscheinlicheit, dass Filmliebhaber/innen immer mehr kaufen wegen der ständigen Wachsamkeit und Informationsverbreitung auf Filmportalen mit News bei denen täglich neue Titel zum Kauf verführen. So beginnt ein fragwürdiges Verhältnis bei denen man ständig mit neu erscheinenden Titeln konfrontiert wird, da man wach sein muss, um nicht die Chance auf ein neu angekündigtes Mediabook zu verpassen.

Aus filmkultureller oder auch filmwissenschaftlicher Perspektive sind diese Veröffentlichungsmechanismen dementsprechend negativ zu bewerten. Denn bei einer Filmanalyse ist die bestmögliche Version eines Films logischerweise sehr vorteilhaft.

Wenn es sich nicht um limitierte Mediabook-Ausgaben handelt, gibt es aber genügend Stückzahlen. Doch auch hier sind diverse Filmtitel ausschließlich als Mediabook verfügbar. Mit einem Preis von etwa 25-30 Euro kosten Mediabooks sichtbar mehr als eine „normale“ Blu-ray in Amary-Verpackung. So ist beispielsweise der Film Menschen am Sonntag in der Blu-ray-Version nur als Bestandteil des Mediabooks verfügbar.

Die Hersteller der Mediabooks versorgen also eine Gruppe von Fans, die noch bereit sind, Geld für ein Speichermedium bereitwillig auszugeben. Die breite Masse ist bekannterweise schon längst zu den Streamingdiensten losgezogen. Dieser Fanmarkt wird zusätzlich durch Covervariationen „bereichert“. Hierbei erscheint ein Filmtitel als Mediabook gleich in vielen unterschiedlichen Coverfassungen – nummeriert nach A, B, C, D. So ist auch dieser Markt längst nicht ausgereizt.

Die Mediabooks sind wertig. Doch die Veröffentlichungsmechanismen bei einigen limitierten Neuerscheinungen sind es nicht. So geraten auch filminteressierte Personen ohne Sammelambitionen in einen Zustand des teils ungewollten Kaufzwangs, Zeitdrucks und der Informationsüberreizung. Hier wird mit den Emotionen der Zuschauer/innen gespielt, die sich ihre Filmklassiker gerne in besonders hochwertiger Qualität ansehen wollen.

Mediabook

Abbildung

https://turbine-shop.de/detail/index/sArticle/26308?sPartner=trbbrd20

Film „Nola Darling“ (1986): Die selbstbewusste Frau

Der erste Langspielfilm von Spike Lee (Originaltitel: She’s Gotta Have It) zeigt die junge, selbstbewusste, unabhängige, sexuell aktiv lebende Künstlerin Nola Darling aus Brooklyn. In zeitlichen Rückblenden erzählen die Figuren eine Geschichte um das Beziehungsleben dieser Frau. Dabei wenden sich die Figuren direkt an den Zuschauer und durchbrechen somit die „Vierte Wand“ ab der ersten Kameraeinstellung.

Der Film wird nüchtern und leidenschaftlich zugleich präsentiert. Der große Kitsch aus Hollywood ist hier nicht zu sehen. Nola ist sich ihrer selbst bewusst und bleibt ihrem Lebensstil treu. In allen drei Männern findet sie gleichzeitig inspierende Anstöße und sexuelle Erfüllung. Folgerichtig endet der Film auch nicht in der exklusiven Zweierbeziehung. Das macht den Film deshalb so wertvoll.

Abbildung 1 – 00:03:15 – Nola Darling

Abbildung 2 – 00:03:27

Abbildung 3 – 00:23:50

Abbildung 4 – 00:24:30

Abbildung 5 – 00:24:35

Abbildung 6 – 00:25:12

Abbildung 7 – 00:31:20

Abbildung 8 – 00:56:02

Abbildung 9 – 01:07:27

Filmplakat

http://movieposters.2038.net/movieid-858

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Nola Darling (1986) Netflix

https://www.netflix.com/title/60034929

Film „Nirgendwo“ (2016): Der besonders unwertvolle Instagram-Film

Ein Blick auf das Filmplakat von Nirgendwo (2016) verdeutlicht bereits das Motiv des Films: Die Geschlechter werden getrennt und leben in verschiedenen Raumdimensionen. Das wird zugleich farblich markiert, indem die Frauen im seichten Rosa abgebildet werden. Die Ästhetik der Instagram-Welt transformiert der Film als Bewegtbilder in das Kino.

Die Farben verweisen zugleich auf die räumlichen Unterschiede. Die Großstadt ist nach der Narrative des Films ein kühler, isolierter Lebensraum (Abbildung 1 und 2). Hier gibt es Leistungsdruck, was die jungen männlichen Studierenden im Film mit kurzlebigen Sexaffären ausgleichen.

Die Hauptfigur Danny verschlägt es nach der Nachricht über den Tod des Vaters zurück in das ländliche Nirgendwo. Bei der Ankuft wechselt die Farbpalette sogleich in ein sonniges goldenes Schema (Abbildung 3 und 4). Die Gegend der Kindes- und Jugendzeit scheint die Erfüllung zu sein. Die Liebesbeziehung zu einer jungen Frau erwacht erneut.

Die junge Frau heißt Susu. Nach kurzen Annäherungen geht die Beziehung weiter. Doch ein Leben im ländlichen Raum will Danny nicht. Den Weg zurück in den städtischen Leistungsdruck möchte er aber auch nicht. Schließlich folgt er seiner Berufung und will Fotografie studieren. Doch Susu will ihn durch das Absetzen der Anti-Baby-Pille in das ländliche „goldene“ Leben tricksen. Derweil ist auch Dannys Schwester bereits schwanger. Als der werdende Vater das erfährt, begeht er direkt Selbstmord, da er nicht auf dem Land bleiben will.

Dass auch die jungen Frauen in die Welt hinausziehen können, hat das Narrativ des Films nicht vorgesehen. So gibt sich Nirgendwo zwar sehr weltoffen, bezieht doch aber einen äußerst konservativen Standpunkt. Alle Frauen des Films verbleiben in der häuslichen Sphäre. In die Welt rausgehen und der eigenen Berufung folgen, ist hierbei nur den männlichen Figuren vorbehalten.

Sofern Frauen in diesem Film trotzdem in der Welt bzw. der Großstadt ihren Weg finden wollen, werden diese ausschließlich sexuell konnotiert dargestellt. So trägt die in die Welt gezogene Frau hurenartige, lasterhafte Verhalten an sich. So berichtet Freund Rob in mehreren Szenen, dass er die jungen Frauen im Haupt- und Nebenfach studiert. In einer weiteren Szene wirft er beim Sex ein Frau direkt beiseite als das Telefon ertönt.

Der Film endet schließlich auch damit, dass Danny wieder in die Welt auszieht während Susu dem Land treu bleibt. Vielleicht sehen sich irgendwann wieder, heißt es. So nimmt die Frau die Position des ewigen Wartens ein und bleibt im ländlichen Nirgendwo verhaftet.

Weshalb der Film das Prädikat „wertvoll“ erhalten hat, erschließt sich nicht. Hierbei werden die Geschlechter zu stark in eine Rolle verfrachtet. Die Instagram-Bilder des Films verstärken den eindimensionalen Ton des Films. Das ist deshalb problematisch, da es dem Film ein sehr modernes Aussehen gibt und die Besetzung sehr gute Schauspieler/innen auffahren kann. Doch umso wichtiger ist der Blick hinter diese fassadenvolle Instagram-Ästhetik.

Abbildung 1 – 00:06:47

Abbildung 2 – 00:07:00

Abbildung 3 – 00:11:52

Abbildung 4 – 00:12:56

Filmplakat

https://www.filmposter-archiv.de/filmplakat.php?id=24819

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Nirgendwo (2016) Blu-ray

Film „Ghostbusters“ (1984): Die stereotype Visualisierung der Bibliothekswelt

Der Film Ghostbusters (1984) präsentiert mit seinem Establishing Shot die New Yorker Public Library und gewährt damit zugleich für den Zuschauer Einblicke in die Welt der Bibliothek (siehe Abbildung 1).

Wie in Filmen zumeist gängig wird auch hier eine stereotype Bibliothekswelt dargstellt. So zeigt der Film sogleich eine alternde, modisch recht konservativ gekleidete Bibliothekarin im Lesesaal (Abbildung 2 und 3). Sie wird in wenigen Augenblicken Zeugin einer geisterhaften Erscheinung werden. In einer weiteren Szene wird sie von den Ghostbusters zu den Geschehnissen befragt.

Der Bibliotheksadministrator (siehe Credits) wird hingegen dem Zuschauer als jung und dynamisch aussehend vorgestellt (Abbildung 4). Ist er die neue Generation der Bibliothek? Oder werden die Geschlechter hier ungleich dargestellt?

Der lesende Bibliotheksgeist Elenanor Twitty, eine alternde Frau, führt in der nächsten Szene die stereotypste Geste aller Gesten in der Welt der Bibliotheken aus: Sie nimmt den Zeigefinger an den Mund raunt die Ghostbusters an, doch gefälligst etwas leise zu sein (Abbildung 5 und 6).

Die Darstellung von Stereotypen in Filmen können die alltägliche Wahrnehmung beeinflussen. Der Film Ghostbusters zeigt hierbei erneut ein fragwürdiges Bild. Der Blick auf die im Film dargestellten Bibliotheksnutzer/innen im Lesesaal zeigt aber zumindest ein diverses Bild.

Abbildung 1 – 00:00:34

Abbildung 2 – 00:00:59

Abbildung 3 – 00:01:05

Abbildung 4 – 00:07:30

Abbildung 5 – 00:11:36

Abbildung 6 – 00:11:45

Kinozuschauer

Deutschland: 4.000.058

USA: 238.632.124

https://www.insidekino.com/DJahr/D1985.htm

https://www.insidekino.com/USAJahr/USA1984.htm

Filmplakat

https://en.wikipedia.org/wiki/Ghostbusters

Screenshots

Ghostbusters (1984) Blu-ray (Auflage 2014)

Die VHS am Straßenrand – Das modrige Ende eines Massenmediums

Wie heißt es doch vielerorts: Bücher darf man nicht wegwerfen! Das sei nicht akzeptabel. Dieser Satz kann durchaus diskutiert werden. Doch viele Menschen würden dem vermutlich direkt zustimmen und keine Bücher in den Müll geben. Es gibt schließlich viele Alternativen die Bücher loszuwerden: Verkaufen , verleihen, verschenken oder spenden.

Bei weiteren Medien wie bei der Musik und den Videospielen kann wohl ein vergleichbarer Weg eingeschlagen werden. Hierbei braucht es zwar zusätzliche Abspielgeräte, doch es finden sich Abnehmer für diese Medien. So gibt es einen großen Markt für alte Videospiele. Die Musik-CD hat noch kein Nachfolgemedium erhalten (abgesehen von Streaming-Diensten). Und sogar MC-Hörspielkassetten erfreuen sich noch einer größeren Beliebtheit.

Beim Thema Film greifen diese Szenarien jedoch nicht. Die VHS als erstes Massenmedium der Filmgeschichte hat es schwer, noch Abnehmer zu finden. Institutionen wie Bibliotheken und soziale Warenhäuser nehmen die VHS-Bänder selbst als Spende nicht mehr an. Es haben nur sehr wenige Menschen noch das geeignte Abspielgerät in der Wohnung.

Das Resultat sind Bilder von modrigen, nassen VHS-Kassetten am Straßenrand, die neben alten Brettern, Möbeln und allerlei Ramsch zur Sperrmüllabholung bereitstehen. Diese Anblicke wiederholen sich beinahe jede Woche. Die Witterungsbedingungen und VHS-Filme sind allerdings nicht kompatibel. Der Regen wellt die Cover und weicht das Papier sehr unschön auf. Die Klassiker der Filmgeschichte oder auch Vertreter der schnellen Unterhaltung liegen hier auf dem Boden. Wer selbst als VHS-Liebhaber an diesen Bergen am Straßenrand vorbeigeht, kann leider nur noch durchtränkte VHS-Bänder erblicken.

Die VHS ist ein Wegwerf-Medium! Keiner will es mehr haben. Das ist teilweise nachvollziehbar und zugleich einmalig in der Geschichte der Unterhaltungsmedien. Dabei verschwindet gleichzeitig auch ein Teil der Filmgeschichte. So haben längst nicht alle Filme eine Neuauflage auf DVD, Blu-ray oder Stream erhalten. Bibliotheksexemplare sind vielleicht nicht gänzlich in großen Stückzahlen verfügbar. So werden Filme verschwinden und bei einigen seltenen Filmen steigen die Preise bei Online-Auktionshäusern für eine VHS.

Film „Crazy“ (1999) / „Das schönste Mädchen der Welt“ (2018): 2 Generationen in der medialisierten Sexwelt

In den Coming-of-Age-Filmen Crazy (2000 – Kinozuschauer: 1.489.290) und Das schönste Mädchen der Welt (2018 – Kinozuschauer: 545.756) werden junge Menschen der Generation Y und Z gezeigt. Die Hauptfiguren in beiden Filmen sind 16 Jahre alt und Teilnehmer einer Schulklasse. Der Film Crazy zeigt das Leben im bayrischen Internat – Das schönste Mädchen der Welt eine Klassenreise nach Berlin.

Ein Blick auf die Darstellung vom Umgang der jugendlichen Akteure mit ihrer generationsspezifischen medialisierten Sexwelt kann Aufschluss über die gesellschaftliche Veränderung aufzeigen.

Die Hauptfigur Benjamin aus Crazy kann zu der Generation Y eingeordnet werden. Diese Generation ist technikaffin hat in diesem Film um die Jahrtausendwende aber noch keinen mobilen Zugriff auf das Internet. Auch der Besitz eines Mobiltelefons ist bei allen Jugendlichen nicht Standard. Der Zugang zur medialisierten Sexwelt erfolgt hierbei für Benjamin noch klassisch über die Printmedien. Im Supermarkt – dem öffentlichen Raum – greift er zu einem Sexmagazin. Doch hierbei geht es nicht um harte Darstellungen von Sex wie sie die Generation Z im Internet alltäglich erleben kann, vielmehr konsumiert Benjamin lediglich Softpornographie. Hier findet also ein analoger Zugang statt.

In einer weiteren Szene des Films geht Benjamin mit seinen Freunden in eine Bar und erlebt auch hier die analoge Sexwelt (siehe Abbildung 1 und 2). Das geringe Alter der Hauptfiguren scheint hier keine Hürde zu sein. Die Jugenlichen sehen die nackte Haut im Vorort des Internats, nicht aber in den virtuellen Räumen des Internets.

Abbildung 1 – Crazy (00:38:03)

Abbildung 2 – Crazy (00:39:28)

In Das schönste Mädchen der Welt ist die pornographische Sprache und der mediale Konsum von Sexwelten über Streams alltäglich. Die Generation Z verfügt im Vergleich zu ihren Vorgängern einen permanenten mobilen Zugriff auf das Internet, was zu einer viel ausgeprägteren Konfrontation mit Bildern und Videos führt.

Im 2018er Film geht es um eine Wette bei der eine neue Schülerin zu sexuellen Taten verführt werden soll. Bei der Generation Z geht aber nichts ohne Beweis, weshalb alles auf Video festgehalten werden soll. Das Video soll anschließend geteilt werden auf Porno-Streaming-Seiten.

Die Generation Z konsumiert also nicht mehr länger nur Pornographie und hält sich passiv in medialisierten Sexwelten auf, sondern kann auch selbst zum Akteur werden – freiwillig oder wie hier gar unfreiwillig. Das könne sogar noch Geld bringen wie es im Film von einer Figur heißt.

Abbildung 3 – Das schönste Mädchen der Welt (00:33:48)

Abbildung 4 – Das schönste Mädchen der Welt (00:33:50)

Abbildung 5 – Das schönste Mädchen der Welt (01:15:45)

Jetzt nochmal einen Schritt zurück in den Supermarkt zur Generation Y im Film Crazy. Benjamin wird hier auch Teilnehmer bzw. Akteur der Sexwelt. Vor den Regalen stehend durchblättert er das Magazin und begibt sich in die Geschichte des Pornoheftes. Der Film zeigt Benjamins Eindringen in die Traumwelt, indem er im Cadillac angefahren der jungen Frau zur Hilfe kommt. Der kurze Tagtraum ist hier jedoch nur Fiktion.

Abbildung 6 – Crazy (00:08:13)

Abbildung 7 – Crazy (00:08:11)

Abbildung 8 – Crazy (00:08:20)

Abbildung 9 – Crazy (00:08:29)

Abbildung 10 – Crazy (00:08:38)

Abbildung 11 – Crazy (00:08:44)

Kinozuschauer

https://www.insidekino.com/DJahr/D2000.htm

https://www.insidekino.com/DJahr/D2018.htm

Filmplakate

https://tobis.de/film/das-schoenste-maedchen-der-welt

https://www.constantin-film.de/kino/crazy/

Screenshots

Crazy (2000) DVD (Neuauflage 2009)

Das schönste Mädchen der Welt (2018) Blu-ray

Filmbegriffe: Screenshots vs. Filmstills

Das Erstellen von Screenshots am Laptop ist eine beliebte Methode, um Filme zu zitieren. Die Screenshots ermöglichen den schnellen Einstieg in die Filmanalyse. Der Film bzw. das Bewegtbild wird angehalten und in Einzelframes geordnet. So besteht ein Film zumeist aus 24 Bildern pro Sekunde, was bei einer Spielzeit von etwa zwei Stunden jede Menge an Material für weitere Analysen bieten kann. Die Screenshots bzw. Standbilder können durch User direkt von Medien wie DVD, Blu-ray oder Stream extrahiert werden. Bei VHS sollten die Bänder zuvor erst digitalisiert werden, um Screenshots herzustellen (wer eine VHS am Recorder pausierte, wird sich noch an die Streifen beim Standbild erinnern können).

Filmstills sind hingegen keine vom User erstellten Bilder. Vielmehr sind es von der Filmproduktion eigens hergestellte Standfotos zur Popularitätssteigerung vor dem Kinostart eines Films. Im Sachlexikon Film heißt es dazu:

„Aufnahme, die der Standfotograf am Drehort gemacht hat. Standfotos geben eine Analogie zum Filmbild, sind ihm aber in der Komposition nicht exakt äquivalent. Die photographische Qualität ist deutlich besser als die des Standbildes, da der Photograph auf Material mit größerer Fläche (selbst ein Kleinbildfilm hat die doppelte Fläche eines 35-mm-Filmes) des Negativs und eventuell höherer Empfindlichkeit zurückgreifen kann und in den Belichtungszeiten variabel ist. Standfotos versuchen entscheidende Momente der Szene festzuhalten, und benutzen entsprechend eigene, abweichende Stilisierungen, um diesen Eindruck zu erreichen. Sie kommen in Vorberichten und der Werbung für den Film zum Einsatz und werden auch als Aushangfotos verwendet.“

(Rother, Reiner: Standfoto. In: Sachlexikon Film. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1997. S. 276)

Die hier angegebene Definition erweist sich zumindest aus technischer Perspektive als teilweise veraltet, da Screenshots heute in sehr hoher Auflösung extrahiert werden können. Aktuell bleibt hier jedoch die Funktion der Filmstills bzw. der Standfotos für die Werbung. So zeigen Filmstills zumeist auch Szenen, die gar nicht im Kinofilm enthalten sind. Die Filmstills haben vielmehr das Ziel, die Stimmung eines Films in nur einem Bild einzufangen. Filmstills werden zumeist neben dem Kinoplakat im Schaukasten vor dem Kinogebäude und dem Kinosaal platziert.

Screenshots und Filmstills sind also keinewegs als Synonym zu verwenden. Dahingehend sind Filmstills nur bedingt zu gebrauchen, um Filme zu zitieren. Vielmehr können Filmstills als Paratext eingeordnet werden und als dieses analysiert werden.

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